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Arbeitsgruppe Angewandte Mathematik / Numerische Analysis
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RGA-UNI-VORTRAG Dieser Professor folgt den Verbrechern ins Netz

Von Knut Reiffert (rga-online)

 

Von einem intelligenten Fußballer wird behauptet, er könne ein Spiel "lesen". Soll heißen: Er weiß, was im richtigen Moment zu tun ist. Wie man die Spielstärke eines Teams darstellen kann, zeigt Professor Dr. Matthias Ehrhardt am Donnerstag, 17. März, um 19.30 Uhr in der Lenneper Klosterkirche beim ersten RGA-Uni-Vortrag im Jubiläumsjahr 2011.

Die bei vielen Bürgern Remscheids beliebte Reihe wird in diesem Jahr 25 Jahre alt.Ehrhardt bedient sich der Netzwerkanalyse. Grundlage ist eine Grafik, die das Fußballteam darstellt. Darin sind die Akteure als Punkte eingetragen. Spielt beispielsweise Schweinsteiger auf Özil, wird ein entsprechender Pfeil zwischen den beiden eingezeichnet. "Je dicker der Pfeil wird, desto häufiger haben sich die beiden den Ball zugespielt", erläutert der Gelehrte die so genannte Gewichtung der Kante.

"Bei den Engländern war alles auf Rooney fixiert. Den brauchte man nur auszuschalten und schon lief nichts mehr."

"Demnach war es keine Überraschung, dass Deutschland die Engländer so hoch geschlagen hat", geht der Mathematiker auf ein Projekt aus der Graphentheorie ein, das spanische und britische Wissenschaftler zur Fußball-WM 2010 durchgeführt haben. "Bei den Engländern war alles auf Rooney fixiert. Den brauchte man nur auszuschalten und schon lief nichts mehr."

Selbst der Ausgang des WM-Finales sei durch das Betrachten der Graphen absehbar gewesen. Fast alle Pfeile waren beim späteren Weltmeister gleich dick. Übersetzt: "Bei den Spaniern gab es während des Turniers die mit Abstand höchste Ballzirkulation. Dem hatten die Holländer nichts entgegenzusetzen."

"Die Verdächtigen mit den meisten Kontakten in den jeweiligen Netzen können die Bosse sein."

Eine Fußballmannschaft ist aber nur ein Beispiel für ein soziales Netzwerk. Auch Ausbrüche von ansteckenden Krankheiten gehören dazu.

"In aller Munde sind natürlich Facebook und Twitter", weiß Ehrhardt. "Zum einen wegen des erfolgreichen Kino-Films 'The Social Network' über Facebook-Gründer Marc Zuckerberg. Zum anderen aber auch wegen ihrer entscheidenden Rolle als Kommunikationsmittel bei den Umstürzen in Nordafrika."

Bei dem Thema, das Ehrhardts Vortrag den Titel "Die Logik des Verbrechens" gibt, sind zwei rivalisierende Verbrecherbanden als soziale Netzwerke modelliert. Im Rückgriff auf den Krimi "Das Dominoprinzip" aus der auch in Deutschland laufenden US-Fernsehserie "Numb3rs" zeigt Matthias Ehrhardt auf, wie die Überwachung von Telefonen und persönlichen Kontakten mit Hilfe der Graphentheorie und so genannter Zentralitätsmaße ausgewertet werden kann.

"Die Verdächtigen mit den meisten Kontakten in den jeweiligen Netzen können die Bosse sein", verrät der Mathematiker ein Ergebnis vorab. Aber das sei nur der einfachste Koeffizient, den man betrachten könne.

"Vielleicht haben die Engländer aber auch ganz einfach die schlechteren Lieder."

Dass Mathematik nicht staubtrocken ist, sondern auch spannend und durchaus unterhaltsam sein kann, zeigt eine Netzwerkanalyse zum Eurovision Song Contest, um die es im Vortrag ebenfalls geht. Mit dem Zentralitätsmaß der Cliquenbildung kann man beim Betrachten des Clusterkoeffizienten das Vorurteil bestätigen oder widerlegen, die osteuropäischen Länder "schusterten" sich die Punkte gegenseitig zu.

Außerdem wollten englische Mathematiker wissen, warum die Contest-Beiträge aus England und Frankreich regelmäßig so schlecht abschneiden. Liegt es etwa daran, dass die Länder ein "Handicap" in Form von nicht vorhandenen Netzwerkpartnern haben, die für sie stimmen?

"Vielleicht haben die Engländer aber auch ganz einfach die schlechteren Lieder", sagt Professor Ehrhardt mit einem Schmunzeln und lässt die Antwort bis Donnerstagabend offen.

Für einen kurzen Versuch mit versprochenem Aha-Effekt bittet Professor Dr. Matthias Ehrhardt alle Besucher des Vortrags ein weißes Din-A4-Blatt sowie je einen roten und einen blauen Stift mitzubringen.

 

ZUR PERSON

PROF. DR. MATTHIAS EHRHARDT ist 42 Jahre alt. Der Mathematiker studierte an der Technischen Unversität Berlin, wo er sein Diplom, seine Promotion und Habilitation ablegte. Seit 2009 lehrt und forscht er an der Bergischen Universität Wuppertal. Obwohl er aus der technischen Mathematik kommt, kümmert er sich in Wuppertal als Professor für Numerische Mathematik vor allem um Finanzmathematik. Ein Thema ist dabei die Optionspreisbewertung. Der Berliner pendelt an den Wochenenden mit dem Zug zwischen dem Bergischen Land und der Hauptstadt, wo er Frau und zwei Kinder (sieben und fünf Jahre alt) hat. Zu seinen Hobbys zählen Fotografieren, Trekking, Fußball, Joggen, Inlineskating und Snowboarding.

 

DER VORTRAG

DAS THEMA "Die Logik des Verbrechens. Facebook & Co.: Wie analysiert man soziale Netzwerke?" So lautet die Frage zum ersten RGA-Uni-Vortrag 2011: Antworten gibt am kommenden Donnerstag, 17. März, Professor Dr. Matthias Ehrhardt in der Lenneper Klosterkirche. Die TV-Serie "Number3s", in der das FBI schwierige Kriminalfälle unter Mithilfe der Mathematik löst, dient ihm dabei als Vorlage.

 

DER ORT Wie in jedem Jahr ist der Eintritt zu den RGA-Uni-Vorträgen frei, und wie immer beginnen alle Vorlesungen im Klostersaal der Klosterkirche, Klostergasse 8, um 19.30 Uhr. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.